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Zwei Schwestern
Datum: 13.08.2019, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byswriter
tief durch und machte sich dann auf seiner Krücke gestützt auf den Weg Richtung Heimat. Er würde keine kurze Reise werden und John wusste nicht, welche Gefahren und Widerstände sich ihm in den Weg stellen würden. Er würde viel Zeit haben, bis zu seiner Rückkehr über alles in Ruhe nachzudenken. John setzte sich in Bewegung. Als er den Waldrand erreichte, widerstand er dem Drang, einen letzten Blick zurückzuwerfen. Plötzlich ertönte ein lauter Knall, der zwischen den Bäumen hallte. Ein brennender Schmerz machte sich auf seinem Rücken breit. Blut floss aus einer klaffenden Wunde und tränkte sein Hemd. John fiel nach vorne und landete im Dreck des sandigen Weges. Er fühlte sich wie gelähmt, konnte nicht erfassen, was geschehen war. Unter Schmerzen drehte er den Kopf in die Richtung, aus der er gekommen war. Er blickte gegen die hochstehende Sonne und erkannte die Silhouette einer Person, die knapp dreißig Meter entfernt auf dem Weg stand und die Schrotflinte im Anschlag hielt. John wollte nicht wahrhaben, was ihm widerfahren war. Jemand hatte auf ihn geschossen. Hinterrücks und ohne Vorwarnung. Er strengte seine Augen an und blinzelte in die Sonne. Jetzt nahm der Täter die Waffe herunter und blieb auf der Stelle stehen. John spürte das Leben aus seinem gepeinigten Körper entweichen und schloss mit seinem Dasein auf dieser Welt ab. Er wurde müde und fand sich mit seinem Schicksal ab. Mit jedem Tropfen Blut, der in den Sand sickerte, näherte er sich dem endgültigen Lebensende. ...
Er machte seinen Frieden mit sich und freute sich auf die ewige Ruhe, die ihn bald umgeben würde. Schemenhaft nahm er eine Gestalt wahr, die sich ihm rasch und aufgeregt näherte und neben ihm auf die Knie sank. Jemand berührte ihn am Arm, schüttelte ihn verzweifelt und redete auf ihn ein. Mit letzter Kraft riss John die Augen auf und blickte in das Antlitz einer wunderschönen Frau: Mary. Ihr Gesicht war tränenüberströmt, sie schrie, versuchte zu verstehen, was geschehen war. Mary zog den Sterbenden an sich, nahm ihn in ihre Arme und schmiegte sich in tiefer Trauer an ihn. John wollte etwas sagen, ihr Mut zusprechen, doch ihm versagte die Stimme. Er war zu schwach. Marys Tränen tropften auf seine Wange. Er fühlte sich geborgen und umsorgt, war bereit für den letzten Schritt ins gleißend helle Licht. Eine leise Stimme versuchte ihn flehentlich zu erreichen. John konzentrierte sich mit allem, was er hatte, auf Marys letzte Worte. „Verzeih mir John ... Ich liebe dich." Weitere Worte gingen in ihrem Schluchzen unter. Aus den Augenwinkeln sah John eine zweite Person an ihn herantreten. Das Metall der Schrotflinte glitzerte in der Sonne. Das blaue Sommerkleid flatterte sanft im Wind. John verzieh der Frau, die ihrer tief sitzenden Enttäuschung nicht anders als mit dieser Gewalttat begegnen konnte. Sein letzter Atemzug auf Erden galt jedoch der anderen Frau, die ihn fürsorglich in ihren Armen hielt. „Ich ... lieb ..." Dann schloss er seine Augen und trat hinüber ins ewige Nichts.