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Der Pakt mit dem Teufel
Datum: 28.07.2019, Kategorien: 1 auf 1, Autor: Freudenspender
Schließlich stehen die Hunnen vor den Toren der Stadt. Sie belagern uns nun schon seit Wochen. Die Lebensmittel sind schon seit einiger Zeit zu Ende und vor allem die Zivilbevölkerung leidet schwer unter Hunger, ganz besonders die Schwachen, die Kinder und die Kranken. Krieg ist einfach nur grausam. Dabei haben wir den Krieg ja gar nicht angefangen. Die Hunnen standen eines Tages auf ihrem Zug gegen Westen einfach so vor unserem Stammesgebiet. Wir haben ihnen nie etwas getan. Wir wären sogar froh gewesen, hätten wir nie etwas mit ihnen zu tun zu gehabt. Aber nein, sie mussten ja zu uns kommen. Ich verstehe das nicht. Bisher haben sie vor allem Richtung Ostrom ihr Gebiet erweitert und sich ausgedehnt. Seit kurzem aber ziehen sie auch in Richtung Westrom. Noch während ich vor dem Fenster stehe, nachdenke und mir den Kopf zermartere, um doch noch einen Ausweg aus dieser ausweglosen Situation zu finden, da fliegen plötzlich die Türen zum Saal mit großem Gepolter auf. In der Tür steht ein wirklich beeindruckender Mann mit der typischen Rüstung der Hunnen. Die Szene wirkt in der Abenddämmerung fast gespenstisch. Von draußen dringt noch das letzte Licht des Tages durch die Tür in den Saal und wirft wegen der untergehenden Sonne einen beeindruckend langen Schatten des Mannes in den Saal. Es ist Attila! Der Mann weiß echt, wie man die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Augenblicklich verstummen auch die letzten Stimmen im Saal. Alle schauen gebannt auf ihn, der erst einmal reglos auf ...
der Türschwelle stehen bleibt und sich im Raum umschaut. Er hat es offenbar nicht eilig und kostet seinen Triumph voll aus. Er hat recht kleine aber sehr wache Augen. Sein Blick ist durchdringend aber nicht unangenehm. Er hat Charisma, das muss man ihm neidlos zugestehen. Er ist eine echte Erscheinung, und es kann sich wohl kaum jemand seinem Bann entziehen. Gegen ihn wirkt mein Vater fast farblos. Dann aber schreitet er gemessenen Schrittes auf meinen Vater zu. Während sich meine Mutter und meine drei Geschwister hinter meinem Vater in Sicherheit zu bringen versuchen, bleibe ich etwas abseits stehen. Ich bin mit meinen 18 Jahren die Älteste. Meine Geschwister hingegen sind neun, zwölf und vierzehn Jahre alt. Natürlich haben sie Angst, ich ja auch. Nur versuche ich es mir nicht anmerken zu lassen. "Gerowin, ergib Dich! Du und Deine Familie kommen in Gefangenschaft.", weist Attila meinen Vater an. Er ist es wohl gewohnt im Befehlston zu sprechen. Höflichkeiten auszutauschen ist nicht seine Stärke. Ich glaube, es gibt wohl nur wenige Personen, die es wagen würden, ihm widersprechen. Aber als Hunnenkönig hat man es leicht, sich Respekt zu verschaffen. Ihm eilt ja auch sein Ruf voraus. Die Grausamkeit seines Heeres und seine Entschlossenheit sind weitum bekannt und gefürchtet. Die meisten erzittern vor Angst ja allein schon, wenn sie seinen Namen hören. "Halt, nicht so schnell.", stelle ich mich Attila in den Weg, der meinen Vater fast erreicht hat. Das hat er wohl wirklich nicht ...