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Zwei Schwestern
Datum: 13.08.2019, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byswriter
geraten zu sein. Auf der Farm angekommen, erklomm er die Stufen zum Dachboden und erschrak, als er eine Person auf seinem Bett sitzen sah: Mary. Sie hatte geweint und wirkte todunglücklich. John blieb an der Luke stehen, wagte sich nicht vor. Ihre Blicke trafen sich. Langsam näherte er sich der gebrochen wirkenden Frau. Mary machte ihm Platz und John setzte sich neben sie auf die Matratze. Sie sahen einander lange an, dann nahm sie seine Hände in ihre. Sie waren warm und feucht, doch es fühlte sich so schön an. Sie schluckte schwer und versuchte sich zu sammeln. „Es tut mir leid, dass ich vorhin am See weggelaufen bin." „Ist schon vergessen", erklärte John und tätschelte ihr Knie. Mary zuckte erschrocken zusammen und räusperte sich. „Mir hat gefallen ... was im See geschehen ist." „Warum hast du es nicht zugelassen?" Sie zögerte eine Antwort hinaus. „Wegen Amy." „Was hat Amy damit zu tun?" Sie warf ihm einen energischen Blick zu. „Siehst du nicht, wie sie dich ansieht ...? Welch sehnsüchtigen Blicke sie dir zuwirft?" John wusste das nur zu genau. „Doch. Ich weiß es ... Ich mag Amy, aber mehr ist es nicht. Ich befürchte, sie hat sich in etwas verrannt und glaubt, ich würde ihre Gefühle erwidern. Aber das ist nicht so ... Ich empfinde etwas für dich, Mary." „Ich ... ich weiß nicht, was ich fühlen darf", stammelte die Frau auf seinem Bett mit geröteten Augen. „Ich habe dich so schlecht behandelt ... Ich habe dich angekettet. Es tut mir so leid." „Ich habe dir längst verziehen." ...
Eine Träne kullerte ihre Wange herab. Mary schniefte und meinte: „Ich fühle mich zu dir hingezogen. Was am See geschehen ist, entsprach meinen wahren Empfindungen ... Aber ich kann nicht zulassen, dass Amy verletzt wird. Es war schwer für sie, in so jungen Jahren so viel Verantwortung tragen zu müssen. Unsere Mutter ist früh gestorben und unser Vater hat sich mehr mit der Farm als mit uns beschäftigt. Dem Grunde nach war ich wie eine Mutter für Amy und ich kann meinen Gefühlen nicht freien Lauf lassen, wenn meine Schwester darunter leidet." „Hast du nicht das Recht auf ein erfülltes Leben, auf Liebe?", fragte John verärgert. Sie zog die Schultern hoch und schniefte. „Du verdienst es, glücklich zu sein, einen Mann zu finden, den du lieben kannst. Ich könnte dieser Mann sein." „Und was ist mit Amy?" „Sie wird es verstehen und irgendwann einen anderen Mann finden", erklärte John bestimmt, obwohl er seine Zweifel an der Behauptung hatte. „Was ist mit deiner Familie? Musst du nicht zu ihnen zurück?" John hatte dies immer vorgehabt. Seine Mutter und seine Schwester führten ihre Farm ebenso alleine und ohne Hilfe, wie die beiden Schwestern. Würde John Mary mit zu sich nach Hause nehmen und dort mit ihr leben? Was wurde dann aus Amy? Oder würden er und Mary auf dieser Farm leben, mit Amy an ihrer Seite? Angesichts der Ansprüche, die Amy an John stellte, erschien dieser Gedanke unvorstellbar. „Ich will mit dir zusammen sein. Egal wo." Eine Träne trat in Marys Augenwinkel. Sie freute ...