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Zwei Schwestern
Datum: 13.08.2019, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byswriter
Sie antwortete nicht und drehte sich um. Mit eiligen Schritten machte sie sich auf den Weg und ließ den nackten Mann im See zurück. John blieb noch lange in der Mitte des Sees stehen und sah der sich entfernenden Mary verständnislos hinterher. Nach einer Weile trat er aus dem Wasser und raffte seine Sachen zusammen. Der Verband an seinem Bein hatte sich abgelöst und den Blick auf seine Wunde freigegeben. Es blutete minimal, doch John spürte die Schmerzen nicht. Seine seelischen Schmerzen waren zu groß, als dass er die körperlichen wahrgenommen hätte. Er verstand Mary nicht. Sie hatte sich ihm stets abweisend und unterkühlt gegenüber verhalten. Dann hatte er sie nackt, wie Gott sie geschaffen hatte, am See stehen gesehen und sie waren sich näher gekommen. Sehr nahe sogar. Und gerade, als sie sich ihren Gelüsten hingegeben wollten, hatte Mary von ihrer Zusammenkunft Abstand genommen und sich zurückgezogen. John war unglücklich und wusste nicht, was er tun sollte. Sollte er die Farm so schnell wie möglich verlassen und die Reise nach Hause antreten? Sollte er um Mary kämpfen und versuchen, ihr Herz zu erobern? Oder konnte er den Avancen der jüngeren Schwester nachgeben und sich auf eine Liebschaft mit Amy einlassen? In Gedanken versunken machte er sich auf den Rückweg zur Farm. Kurz bevor er sie erreichte, tauchte Amy plötzlich aus dem Wald auf. Sie trug ein blaues Sommerkleid. Sie freute sich, ihn zu sehen und rannte ihm lächelnd in die Arme. Sie küsste ihn leidenschaftlich, ...
zog sich aber zurück, als sie bemerkte, dass er ihre Küsse nicht erwiderte. „Was hast du?" „Ich bin nicht in der Stimmung." „Wo warst du ...? Was ist geschehen?" John warf Amy einen mitleidigen Blick zu. Er wollte dem Mädchen nicht wehtun, konnte sich aber auch nicht so weit verstellen, dass sie glauben konnte, er sehnte sich nach ihrer Nähe. „Ich brauche im Moment etwas Zeit für mich ... Zum Nachdenken." „Worüber? Über uns?" „Über das alles hier. Über mich, meine Verletzung ... Dich und deine Schwester." „Was hat Mary damit zu tun?", fuhr Amy energisch dazwischen. John wollte nicht antworten und versuchte, an Amy vorbeizugehen. Die 18-Jährige hielt ihn am Arm fest und forderte: „Bleib stehen ... Was ist los mit dir? Erst bist du so zärtlich und verlangend nach mir und schläfst mit mir ... Und jetzt behandelst du mich, als würdest du mich loswerden wollen. Ich verstehe das nicht." John verstand sie, doch er konnte ihr nicht helfen. „Es tut mir leid, Amy ... Aber ich muss mir zunächst über ein paar Dinge Gedanken machen ... Alleine." „Ist es wegen Mary?", wagte Amy einen Schuss ins Blaue. John schwieg beharrlich. „Liebst du sie?" John riss sich von ihr los und machte sich auf den Weg. Amy blieb stehen und rief ihm mit zorniger Stimme hinterher: „Sie ist nicht gut genug für dich. Mich solltest du lieben ... Nicht sie." Er hörte sie hinter sich fluchen und weinen. Es lief alles andere als nach seinen Vorstellungen und er wünschte sich, am besten nicht in diese vertrackte Situation ...