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Zwei Schwestern
Datum: 13.08.2019, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byswriter
egal wie es um sein Bein stand. Später gesellte sich Amy zu ihm und sah ihm bei der Arbeit zu. Die junge Frau versuchte immer wieder ein Gespräch zu beginnen, doch John verhielt sich abweisend und schwieg zumeist. Als er eine Pause einlegte, sprach er Amy an. „Hast du Mary von uns erzählt?" „Nein. Sollte ich denn?" „Lieber nicht", meinte John. „Ich glaube nicht, dass sie erfreut wäre, wenn sie wüsste, dass zwischen uns etwas geschehen ist." „Vielleicht freut sie sich für mich?" „Wir sollten es besser für uns behalten." „Wir sind doch aber jetzt zusammen, oder?", fragte Amy neugierig nach. John konnte kaum glauben, mit welcher Naivität das Mädchen gestraft war. Wie sollte er aus dieser Nummer herauskommen? Erwartete Amy, dass er sie mit sich nahm, wenn er wieder auf dem Damm war und nach Hause zurückkehrte? „Wie stellst du dir deine Zukunft vor?" „Ich habe nicht vor, hier für immer und ewig zu bleiben", gestand sie. „Ich will etwas von der Welt sehen, Leute kennenlernen und mein Leben nicht alleine hier verbringen." „Und was geschieht mit deiner Schwester?" Amy zog die Schultern in die Höhe. „Sie könnte heiraten ... heiratswillige Kandidaten hat es gegeben, doch Mary hat sie alle abgewiesen." „Verstehst du, warum?" „Sie wartet auf den Richtigen. So wie ich ... Und ich habe ihn jetzt gefunden." Sie strahlte John an und ihm drehte sich der Magen um. „Hör zu Amy ... Ich denke nicht, dass es zwischen uns auf Dauer funktionieren würde." Sie sah ihn mit angsterfüllten Augen an. ...
„Warum sagst du das?" „Wir kennen uns kaum und du bist noch so jung ... Du hast gesagt, du liebst mich, aber du kennst mich gerade ein paar Tage. Was weißt du schon von mir?" Amy zog einen Flunsch. „Wozu muss ich dich Jahre lang kennen ...? Wir kennen uns erst seit ein paar Tagen, aber das genügt mir." „Wie kannst du dir deiner Gefühle sicher sein?" „Ich bin es einfach." John schwieg. Er hatte sich in eine schwierige Situation gebracht, aus der er nicht so einfach herauskommen würde. Er arbeitete bis zum Abend und war froh, dass Mary ihre Schwester zur Hausarbeit abkommandierte. Am Ende des Tages schmerzte sein Bein und er war vollkommen erschöpft, aber auch stolz auf seine geleistete Arbeit. Er wollte sich seine Unterkunft und die Mahlzeiten redlich verdienen und so genoss er das Abendessen, das Mary ihm in die Scheune brachte. Mary blieb wortkarg und John bekam den Eindruck, dass sie mit sich rang, ob sie Nähe zu ihrem Gast zulassen sollte. Sie hatte sich bislang kühl und abweisend gezeigt, so als ob sie eine Schutzmauer um sich errichtet hätte. John bemühte sich, ihr gegenüber freundlich und zuvorkommend zu sein und die 29-Jährige reflektierte möglicherweise über ihr Verhalten. Die Müdigkeit ließ ihn früh einschlafen. Mitten in der Nacht weckte ihn ein Geräusch. Jemand stapfte zu ihm die Stufen hoch. Der Mond schien matt durch das Fenster. John erkannte die Person, die sich ihm näherte, vor dem Bett haltmachte, und sich dann zu ihm unter die Bettdecke kuschelte. Es war Amy. ...