1. Wiener Epigramm - oder: Die Lust an der Lust


    Datum: 11.01.2019, Kategorien: CMNF, Autor: Claurel, Quelle: Schambereich

    Proömium Nachdem sich auch "camping for beginners", in einem doch überraschenden Akt von später Bewertungssteigerung noch über die magische "Vier!" retten konnte, kommt nun der designierte Nachfolger.... ;-) Wiener Epigramm – oder die Lust an der Lust Was war das nur für ein Lärm auf der Kärtnerstraße? Da wachte ja halb Habsburg in der Kapuzinergruft auf! "Haben sie Wien schon bei Nacht gesehen?", fragte zwar nicht Orson Welles, aber der dritte Mann würde sich seine "Waschln" auch zuhalten, wenn er diesen Krach ertragen müsste! Das schepperte es ja wie im Prater auf der Liliputbahn! Und doch, die Herkunft der Geräuschkulisse war ebenso banal, wie typisch für Wien. Die Wiener "Kehrforce" (und die heißt wirklich so!) leerte die großen Restmüllcontainer am Straßenrand und gab sich kaum Mühe die Anwohner in irgendeiner Weise zu schonen. Warum auch? Sie schafften deren Dreck weg, war es da nicht ausgleichende Gerechtigkeit, sie schon morgens um 6.30 Uhr aus dem Bett zu werfen? Im orangefarbenen Mülllaster lief laut EAV und Leopold Prokopetz, der langbärtige Fahrer, der verwegen wie ein Pirat das große Lenkrad führte, grölte lauthals mit: "Ich bin eine Mischung aus Albert Einstein und Arnold Schwarzenegger, doch das Dumme ist nur: Ich hab Schwarzeneggers Hirn und von Einstein die Figur!" Josef, genannt Sandler-Beppi, der hinten am Trittbrett sein abgasreiches Dasein fristete, musterte mit rotunterlaufenen Augen die dunklen Fenster der barocken Altstadthäuser. Ihm war langweilig! ...
    Gleich würde sie auf die Ringstraße abbiegen und zur Deponie in Hüttldorf fahren, dann gab es Verlängerten und Plunderteigkolatschen, wie jeden morgen! Er seufzte. Hätte er nur mal nicht Ägyptologie auf Lehramt studiert, dann könnte er jetzt auch Taxifahren wie die Anderen! "Wo ist der Kaiser? Wir brauchen ihn, und keinen Rock'n'Roll!", Leopold hörte jetzt Track 28 der Greatest-Hits-CD. Ja der Kaiser, der hatte es gut da unten im Marmorsarkophag, der musste sich jetzt nicht die schlechten Witze vom Schickedanz, ihrem Gruppenführer anhören. Die große Ringstraße war jetzt erreicht, der Verkehr nahm zu. Sie fuhren stadtauswärts in den Westen. 6 Uhr 45! Der Radiowecker oder besser gesagt der leicht grenzdebile Ö3-Moderator brüllte los: "Guten Morgen, liebe Werner, und dass das Kipferl besser runter rutscht gibts jetzt die neue von Taio Cruz: "Hangover", also aufstehen, es hat exakt 17,3 Grad in der Neustadt und 16,8 in Schönbrunn. Anna Thun-Hohenstein blinzelte verschlafen und erhob sich mit einem Ächzen aus dem Bett. Aus der Küche ihrer kleinen Innestadtwohnung drang bereits der Duft von Kaffee und krossem Speck. Erst jetzt bemerkte sie, dass sie völlig nackt im Bett lag und im gleichen Moment erinnerte sie sich woran das lag. Gestern war nämlich diese Vernissage im Belvedere gewesen und da hatte es sie ganz unverhofft erwischt! Im ersten Moment war sie noch ein wenig befremdet gewesen, als ihr jemand einfach auf die Schulter klopfte und behauptete: "Madame, irgendwoher kenn ich ...
«1234...7»